CORONA und SCHACH

niederhaeuserAnfang März diskutierte die Fußballwelt über Geisterspiele. In den vollen Stadien sollten Infektionsketten vermieden werden. Eine sinnvolle Maßnahme, da immerhin zehntausende Zuschauer in der Bundesliga auf engstem Raum zusammenkommen.  Nach einigem Hin und Her endeten die Diskussionen mit dem Ergebnis, dass bis in die untersten Ligen der Spielbetrieb ruht. Schon vorher hatte der der Schachbund NRW kurzfristig beschlossen, auf seinen Ebenen alle Schachturniere egal ob Einzel - oder Mannschaftsturniere abzusagen.

Einige Schachfreunde waren not amused. „Im Schachsport gibt es – wenn überhaupt - nur wenige Zuschauer“, argumentierten die Kritiker.“ Außerdem halte man die Zwei-Personen-Regel ein und es gibt Schutzmasken.“ Schachgegner sitzen sich mit gebeugten bzw. in den Händen gestützten Köpfen gegenüber. Die Entfernung zwischen den Spielern unterschreitet deutlich einen Meter. Ein dauerhafter Mindestabstand von 1,50 m kann nie eingehalten werden. Bei ca. 6 Stunden Spielzeit werden Schutzmasken stark durchfeuchtet. Eine Filterwirkung ist dann kaum noch vorhanden.

Neben der Unterbrechung von Ansteckungswegen betrachtet der SBNRW im Schachsport ebenbürtig den individuellen Schutz seiner Schachsportler. Daher war es ein Muss, die Spielsaison 2019/20 vorerst auszusetzen. Ein Zeitfenster wurde nicht festgelegt.

Der SBNRW wird die Ratschläge der Wissenschaftler (z. B. Virologen) sehr ernst nehmen und die öffentlich-rechtlichen Vorschriften zwingend beachten. Als verantwortlicher Sportverband schaut der SB über den Schachbrettrand hinaus. Das ist zu respektieren.

Der Schachsport hat gegenüber vielen anderen Sportarten den Vorteil, dass er singulär ausgeübt werden kann. Schachprogramme, qualifizierte Theorieliteratur aber auch aktuelle Printmedien (Z. B. Rochade-Europa) helfen den Schachsportlern effektiv zu trainieren. Geschmökert werden kann auch in den zwar historischen, aber immer noch empfehlenswerten Schachbüchern des deutschen Schachweltmeisters, Emanuel Lasker. Über den Lerneffekt wird mancher erstaunt sein. Der Schachsport kann als Singlesportart mit Enthusiasmus und Freude betrieben werden. Natürlich sind Partieen mit menschlichen Gegnern nicht zu toppen.

Inwieweit Familienmitglieder ans Schachspielen gebracht werden können, sollte mit Sanftmut probiert werden. Das Schachbrett bietet ebenfalls eine geeignete Spielfläche für zahlreiche andere Brettspiele.

Das Schachspiel war zu allen Zeiten ein aufmunternder Partner.

 Im berühmten Schachturm des Schachdorfes Ströbeck hatte ein adeliger Gefangener vor über 1000 Jahren in seiner Einsamkeit seinen Wärtern das edle Spiel gelehrt. Heute ist Ströbeck ein Immaterielles Weltkulturerbe. Friedrich Schiller hat das Schachspiel gelobt, weil es ihm in einer langwierigen Erkrankung geholfen hat. In der erzwungenen Einsamkeit hat ihm Schach Kurzweil geboten.

Bei dem Gefangenen und bei Schiller war ein Ende in Sicht. Im Jahre 2020 leuchtet noch kein Licht am Ende des Tunnels.

Corona kennt keine Schachuhr. Die Pandemie grassiert weltweit ohne Limit. Es gibt keinen Schiedsrichter, der den Zeitablauf reklamiert.

Die einzige Chance den Virus zu besiegen, wird hoffentlich ein bald entwickelter Impfstoff oder ein hilfreiches Medikament sein. Bis dahin ist sehr viel Geduld angesagt.

Das eigene Leben, das der Familie und das Leben aller Mitmenschen sind rigoros zu schützen. Gegen den Coronavirus ist der Gesundheitsschutz unser gemeinsames Ziel. Wir ALLE müssen uns strikt an den Schutzregeln halten.  

So traurig es klingt: Schach ist eine Nebensächlichkeit geworden.  

Ich wünsche allen Menschen Gesundheit und Geduld

Ralf Niederhäuser (Präsident)