Schachvereine versus Künstlichen Intelligenz

Erstellt: Donnerstag, 17. Januar 2019 23:57
Veröffentlicht von Chadt-Rausch

2018 war das Jahr der Schachweltmeister.

Ralf Niederhäuser - Emanuel Lasker wäre am 24.12. hundertfünfzig Jahre alt geworden. Der 28jährige Magnus Carlsen wurde kurz vor Weihnachten Schachweltmeister.

Unsichtbar wurde das Weltmeisterjahr von der Künstlichen Intelligenz (KI) begleitet. Den WM-Kampf zwischen den Aspiranten (Carlson – Caruana) schaute sich Demis Hassabis an. Hassabis ist Gründer der Firma Deep Mind, ein hervorragender Schachspieler und KI-Forscher. Mit David Silver programmierte er wegweisende Algorithmen, die die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) maßgeblich voranbrachte. Sie analysierten Schachtheorien und die talentierten Aktionen von Schachweltmeistern bzw. WM-Kandidaten.

Das Schach-Go-Shögo- Programm AlphaZero wurde auf dieser Basis entwickelt. Charakteristisch an dem Programm ist, dass es sich eigenständig trainiert. AlphaZero spielt gegen sich selbst und schiebt Figuren ohne Menschenhand übers Brett. Wahrscheinlich wird ein menschlicher Gegner keine Siegeschancen mehr haben. Ob es dann noch individuelle Schachweltmeister geben wird, dürfte fraglich sein.

Geplant wird, dass Maschinen mittels der KI eigenständige Entscheidungen treffen können. Die KI verstärkt die Angst der Menschheit, von Robotern beherrscht zu werden.  Alle Entwickler versichern unentwegt, dass die KI dem humanitären Fortschritt dienen soll. Die Zukunft des Menschen wird lebenswerter als die Gegenwart sein.

Wie schaut es wirklich aus? Schon immer beherrschen Maschinen den Menschen. Man denke z. B. an Ford und seine Erfindung der Montagebänder, die seinerzeit schon ein Arbeitstempo vorgaben und fortwährend mit anfänglicher KI aufgepeppt wurden.

Schachspieler/innen unterliegen ebenfalls einem gnadenlosen Tempo, dass von einer Zeit-Maschine vorgegeben wird. Wie das?

Üblicherweise steht neben dem Schachbrett eine herzlose Schachuhr. Die Uhr lenkt erkennbar die Körperaktionen des Spielers. Arm, Hand und ein schneller Fingerdruck werden von der Zeitmaschine unerbittlich in Spannung gehalten. Intellektuell wird das Gehirn, z. B. im Blitzen, beachtlich aktiviert. Im Ergebnis wird die Intelligenz des Schachspielers quasi als „KI“ von der Zeitmaschine konsumiert. Wer es nicht glaubt, sollte sich ein Blitzturnier anschauen. Die Zeitmaschine beherrscht den Spieler. Tröstlich bleibt, dass die Spielstärke des Einzelnen primär das Geschehen bestimmt. Noch sitzen Menschen an Schachbrettern und können nötigenfalls die Uhr stoppen.

Schach wird gerne mit KI in Verbindung gebracht. Wir Schachspieler/innen sollen uns zwar nicht von der digitalen Welt abgrenzen, aber uns gegen einen evtl. Vorwurf, dass Schach KI ermöglichte, wehren.

Menschen benötigen einen Ort, an dem sie ihren Schachsport ausüben können. Da bieten sich Schachvereine passend an. Genau genommen, ist der Schachverein der sichere Ort KI-Maschinen zu entkommen und einen Gegner aus Fleisch und Blut zu finden. Die echte Heimat des Schachsportes ist nicht die seelenlose KI-Maschine, sondern die Gestaltungskraft eines Schachsportlers. So ist das Schach über Jahrhunderte aktiv gewachsen. Digitale Fortschritte haben – mit Ausnahme von Training - im Schachsport nichts verloren. Am Brett müssen Menschen sitzen, nicht abstrakte Gegner. Schach ist absolut kein E-Sport!!

TIPP an alle Schachspieler/innen: Verstärkt das Vereinsleben und unterstützt so den Schachsport. Findet Gleichgesinnte, die euch in den Verein begleiten.

2019 muss das Jahr der Vereine werden.

Ein Wunsch des Schachbundes NRW