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Historische Betrachtung des Dopings im Schach (Satire!)

Erstellt: Freitag, 28. Februar 2014 15:46
Eingestellt von Chadt-Rausch
Kategorie: Mitteilungen
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Karnevalistische Rede des Präsidenten Ralf Niederhäuser im Ramada-Cup "Deutsche Amatuermeisterschaft" in Brühl.

Das Helfer-Doping (damit fing es an)
Seitdem Schach gespielt wird, gibt es das Helfer-Doping. Die Helfer stehen hinter dem Spieler, drücken ihre Knie gegen seinen Rücken, stoßen Finger schmerzhaft in die Spielerflanken oder treten erdbebenartig gegen Stuhlbeine. Helfer stehen  dem Schachspieler auch gegenüber. Verrenken ihre Lippen  mit lautlosen Wörtern oder zupfen sich die Ohren lang. Es gibt zahlreiche Verständigungsmöglichkeiten, die zum Entsetzen der Helfer oft übel  missverstanden wurden. Für den Verlust der Partie trägt der Helfer selbstverständlich keine Verantwortung. Das Helfer-Doping war demzufolge eigentlich zum Scheitern verurteilt. Einen Helfer bekommt man jedoch kaum gebremst.

Handflächen-Doping (kennt man von der Schule)
Zumeist werden Eröffnungszüge in die Handflächen. Partien dauern lange; der Spieler stützt gedankenvoll sein Haupt in die geöffneten Hände. Und siehe da, erscheint seine Trickserei in Spiegelschrift auf seinen Backen. Peinlich und schon verloren.

Sakko –Doping (damals half die Mode den Schachspielern)
Heute erscheinen Spieler locker im Pullover, im sportlichen Dress oder ganz einfach im T-Shirt. Früher gab  es  eine gesittete Kleiderordnung. Man erschien vornehm im Sakko, dass mindestens zwei Nummern zu groß gera-ten war. Während der Eröffnungsphase gingen die Spieler beinah nach jedem Zug mit Hinweis auf die verdammt treibenden Blutdrucktabletten auf die Toilette. Dort klappten sie wie Uhrenschwarzverkäufer ihre Sakkos auf und schauten auf Dutzende Zettelchen. Ja, sie sogar angenäht. Frauen zweifelten an den Verstand ihrer Männer und beurteilten das Schachspiel als ein sehr komisches Hobby. Modisch alles vorbei!

Alkohol-, Rauschgift- und Aufputschmittel-Doping (das haben ausschließlich nur Doofe versucht)
Schnell wurden die Erfahrungen gesammelt, dass bei diesem Doping und 3 bis 5 Stunden Spielzeit die Leistungskurve abrupt abbrach. Fantastische Stellungen wurden zerstört, weil der Gedopte mit seinem Kopf schweratmend in die Figurenkonstellationen stürzte.

Kaffee – Doping (eine Hoffnung, die heute noch andauert)
Es keimte bei den Schachspielern Hoffnung auf, endlich die goldene Lösung gefunden zu haben. Manch einer badete sogar in koffeinhaltigem Kaffee. Unmengen von Kaffee mussten getrunken werden, eh überhaupt was zu bemerken war. Gluckernde Bäuche saßen an den Brettern. Steigende  Wasserstände in den Beinen sowie am Herzen ließ dieses Doping vom Markt verschwinden.

E-Doping (beherrscht die Schachszene)
E-Doping ist ein Wort, das in Schachkreisen erfunden wurde. Es gab es aber schon vor langen Zeiten, hieß nur anders. Speziell in Pferde- und Hunderennen wurde Strom benutzt, indem den Tieren per Fernbedienung elektrische Schläge zur Leistungssteigerung verabreicht werden. Der Tierschutz versucht die Machenschaften zu verhindern. Versuche bei Schachspielern, die nun mal nicht tiergeschützt sind, waren nicht effektiv, weil die meisten mit Glück im Krankenhaus landeten, mit Pech wo anders.
Schachspieler sind von Natur aus clever und erkannten blitzartig die Vorteile der IT-Technik in Verbindung mit drahtlosen Übertragungen. Alles wird eingesetzt. Handys, Smartphones, winzige Ohrstöpsel und Brillen mit Hörgeräten. Es wird nicht verwundern, wenn demnächst unverfängliche Haarverpflanzungen mit Sender und Empfänger versehen werden. Die Funktionäre und Schiedsrichter verzweifeln, weil es kaum zu packen ist. Turnierordnungen werden unentwegt angepasst. Wie gesagt der Schachspieler ist clever und immer ein Schrittchen voraus. Warten wir es ab.

Xenon-Doping (zwar neu, in Schachkreisen kennt man den Vorteil von EPO schon lange)
Das Edelgas-Doping wurde kürzlich auf der Winterolympiade in Sotschi entdeckt. Es führt zu Anregung von EPO und damit zur Steigerung der roten Blutkörperchen. Mehr Sauerstoffaufnahme heißt höhere Leistungs-dichte. Betroffen sollen russische Sportler sein: Ist das das Geheimnis der starken russischen Schachspieler??  Wir haben aber schon vor einiger Zeit ein artverwandtes Gas-Doping mit dem Rauchverbot in Spiellokalen eingeführt. Mehr Sauerstoff höhere DWZ/ELO.


Lachgas-Doping (sehr zuschauerfreundlich und fernsehtauglich)
Nachfolgendes wäre eine Welturaufführung. Im 19. Jahrhundert haben Zahnärzte ihre Patienten mit Lachgas betäubt. Selbst beim Ziehen falscher oder aller Zähne haben sich die Betroffenen schiebelich gelacht.
Lachgas für Schachspieler würde gleichfalls zu ungeahnten Erfolgen führen.
Was könnte passieren. Lachgas-Gedopte spielen. A: „Ich schlage deine Dame, hihihi“  B: „Hahaha Dame weg egal; jetzt kommt ein Mattzug.“ A kringelt sich vor Lachen, fällt vom Stuhl und singt fröhlich: „Ich bin matt, matt, matt. Alle Schachspieler im Raum freuen sich, lachen und schmettern:“ A ist matt, matt. Humba, humba täterä“
Wäre das nicht toll, Fröhlichkeit im Spiellokal?

Alaaf, Helau, Ahoi

Ralf Niederhäuser
Präsident
Anm., ausschließlich in männlicher Form geschrieben, weil Frauen nicht fuschen.