„Der Meister-Titel hat mir wirklich viele Türen geöffnet“

Erstellt: Montag, 23. Mai 2011 14:59
Geschrieben von Axel Fritz

Ein Interview mit Deutschen Meister 2010 IM Niclas Huschenbeth.

Herr Huschenbeth, Gratulation in der letzten ELO Liste sind Sie mit über 2500 ELO Punkten gelistet. Dürfen und müssen wir den noch amtierenden Deutschen Meister jetzt mit Herrn Großmeister anreden?

Nein, leider noch nicht. Ich bin noch einen gefühlten winzigen Schritt davon entfernt. Ich habe drei Normen und Elo 2500, aber ich schätze, ich bin wohl ein Sonderfall. Meine erste GM-Norm habe ich nämlich beim Europacup erzielt, dem einzigen Turnier, in dem es möglich ist eine 7-rundige Norm zu erspielen. Und diese Norm ist im Grunde jetzt nutzlos, da ich insgesamt mit meinen beiden anderen 9-rundigen Normen auf 25 Normenpartien komme, in den FIDE-Statuten aber 27 zum Erwerb des GM-Titels vorgeschrieben sind.
Sie haben GM Normen erzielt und über 100 ELO Punkte gewonnen. Sportlich hat sich der Erfolg, vor einem Jahr in Bad Liebenzell Deutscher Meister geworden zu sein, gelohnt  ...

Der Meister-Titel hat mir wirklich viele Türen geöffnet, auch Türen, mit denen ich überhaupt nicht gerechnet hatte. So habe ich z.B. ein Angebot für ein Stipendium in den USA erhalten, damit ich deren Universitätsmannschaft verstärke.
Schachlich gesehen durfte ich dank des Titels zweimal in der Nationalmannschaft (Mitropa-Cup und Olympiade) spielen und auch die Teilnahme in der A-Gruppe des Aeroflot-Turniers in Moskau ist teilweise auf den Titel zurückzuführen.

Im letzten Jahr haben Sie bei der Schacholympiade in Khanty-Mansiysk gespielt und 4.5 Punkte aus acht Partien geholt. Sie haben in der Bundesliga gegen Weltklassespieler Vallejo Pons gewonnen, haben beim Aeroflot Open gegen starke Spieler wie Markus Ragger oder Igor Lysyj bestehen können und beim kürzlich beendeten 15. Neckar Open haben Sie nur gegen den Sieger Arkardji Naidisch verloren und einem beachtenswerten 4. Platz gemacht. Was tun Sie dafür?

Ich denke, der Hauptgrund für mein gutes Abschneiden in den letzten Monaten ist, dass ich mich voll und ganz auf Schach konzentrieren kann und nicht durch Schule oder Studium abgelenkt werde. Dies wurde mir ermöglicht durch die Bundeswehr, in der es eine Sportfördergruppe gibt und dank der Nominierung des Deutschen Schachbundes wurde ich in diese aufgenommen. Im Training konzentriere ich mich hauptsächlich auf Eröffnungsanalyse und Variantenberechnung, nebenbei schaue ich aber auch gerne die erstklassigen Endspielvideos von Karsten Müller. Und um auch konditionell auch auf der Höhe zu sein, geh ich häufig um die Alster joggen oder spiele ein bisschen Fußball.

Sind Sie auf dem Weg zum Schachprofi?

Ich denke, ich bin es bereits! Meine Aufgabe, die mir von der Bundeswehr quasi vorgegeben ist, lautet, dass ich Deutschland möglichst gut repräsentiere. Dafür trainiere ich täglich mehrere Stunden und dieses Training hat sich in letzter Zeit auch ganz gut ausgezahlt. Aber irgendwann wird die Zeit in der Bundeswehr ein Ende haben und dann werde ich wohl ein „ganz normaler“ Student, der nur noch ab und zu seinem Hobby frönt.

Sie starten nun Ende Mai bei den Deutschen Meisterschaften in Bonn. Wie stehen Ihre Chancen?

Nun, im Gegensatz zu letztem Jahr werden wohl alle ganz besonders auf der Hut sein, wenn sie gegen mich spielen. Außerdem spielen drei starke Spieler (Buhmann, Fridman und Gustafsson) mit, die letztes Jahr wegen der EM nicht dabei waren. Ich bin an 6 gesetzt und mein Ziel ist es, unter die ersten 5 zu kommen.

Was macht Niclas Huschenbeth, wenn er nicht Schach spielt?

Wie gesagt betreibe ich gerne den einen oder anderen Sport, jetzt die letzten Wochen bin auf den Basketball-Geschmack gekommen, was ich eigentlich nicht für möglich gehalten hätte. Aber ich denke, Fußball bleibt meine Sportart No. 1. Daneben habe ich mich, nachdem ich ungefähr 10-mal gefragt wurde „Waaas, du bist 18 und hast noch keinen Führerschein?“, in einer Fahrschule angemeldet und schon die ersten Fahrstunden genommen. Bald werde ich dann also zu dem erlesenen Kreis von Schachspielern mit Fahrerlaubnis gehören.

Quelle: www.dem-2011.de