“Zurück zu den Anfängen”

Erstellt: Samstag, 14. Mai 2011 05:17
Geschrieben von Axel Fritz

Ein Interview mit dem Dr. Hans-Jürgen Weyer
Präsident des Schachbundes NRW und Vizepräsident des Deutschen Schachbundes

Herr Dr. Weyer, der Schachbund NRW richtet die Deutschen Einzelmeisterschaften 2011 aus, was sind die Hintergründe?

Der Anlaß, in diesem Jahr die Deutsche Einzelmeisterschaften in Bonn auszurichten, ist das 150-jährige Jubiläum, das der Schachbund Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr feiert. Dieses Jubiläum wollten wir mit einem besonderen Angebot für die Schachfreunde in NRW und darüber hinaus würdigen. Daher haben wir uns schon vor über drei Jahren entschlossen, die Deutsche Einzelmeisterschaft und den Kongreß des Deutschen Schachbundes nach NRW zu holen. Seitdem laufen die Vorbereitungen.

In diesem Jahr spielen Damen und Herren zusammen …

Wir waren der Meinung, daß die gleichzeitige Ausrichtung des Männer- und des Frauenturniers für die Zuschauer besonders interessant ist. Auch die Spieler haben dies gewürdigt. Ob das auch in Zukunft so bleibt, wird sich aus den Erfahrungen dieses Jahres ergeben. Dies ist aber nicht die einzige Neuerung, die ich für dieses Jahr angestrebt habe. Ich freue mich besonders, daß wir nach der letzten Runde am 3. Juni die Siegerehrung auf dem Jubiläumsfestabend vornehmen können. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der DEM sind zu diesem Festabend eingeladen. Wegen des tags darauf stattfindenden Kongresses des Deutschen Schachbundes ist auch die komplette DSB-Spitze einschließlich der Delegierten der Länder anwesend. Damit gehen wir in gewisser Weise zurück zu den Anfängen. Denn schon bei der Gründung des “Westdeutschen Schachbundes” vor 150 Jahren wurde festgelegt, daß die Kongresse immer mit einem Meisterturnier verbunden sein sollten. Diese Tradition wurde später aufgegeben. Doch bin ich der Meinung, daß die Deutsche Meisterschaft zum Kongreß gehört. Ich hoffe sehr, daß uns das auch in Zukunft gelingt und daß das NRW-Jubiläum den Anlaß für eine neue Tradition gegeben hat.

Die alte Bundeshauptstadt Bonn ist der Austragungsort …

… weil sie sich in letzter Zeit durch hervorragende Schachveranstaltung hervorgetan hat, zuletzt mit der Austragung der Weltmeisterschaft zwischen Anand und Kramnik im Jahre
2008. Darüber hinaus kenne ich Bonn sehr gut und bin sicher, daß die Stadt sowohl den Spielern als auch den Teilnehmern des DSB-Kongresses gut gefallen wird. Dieses Turnier in einer Großstadt auszurichten, ist ganz gewiß teurer als auf dem Lande – zumal Ende Mai die Touristenstadt Bonn überlaufen ist. Aber dafür bietet Bonn auch sehr viel Sehenswertes und ist für den neuntägigen Aufenthalt der Spielerinnen und Spieler gewiß attraktiv. Wir gehen auch von einem großen Zuschauerinteresse aus, so
wie es eben nur in einer Großstadt zu erwarten ist.

Wer sind die Sponsoren des Event und welchen Mehrwert kann das Schachspiel ihnen bieten?

Der Hauptsponsor der Veranstaltung ist der neue Partner des Deutschen Schachbundes, die Honorar Konzept GmbH, einem Versicherungsunternehmen aus Göttingen. Im Vordergrund steht die Tatsache, daß sowohl beim Angebot der Honorar Konzept als auch beim Schachspiel strategische Überlegungen im Vordergrund stehen. Jeder Schritt wird gut überlegt. Diese Gemeinsamkeit macht das Schachspiel und damit den Deutschen Schachbund zu einem interessanten Partner für die Honorar Konzept GmbH. Es darf aber nicht vergessen werden, daß auch der Schachbund Nordrhein-Westfalen seit langem auf dieses Ereignis hin angespart hat und auch die Deutsche Meisterschaft mit eigenen Mitteln erheblich unterstützt.

Herr Dr. Weyer, Sie sind als Vizepräsident des Deutschen Schachbundes eher auf der Funktionärsseite zu finden. Wann haben Sie ihre letzte Wettkampfpartie gespielt?

Das ist gar nicht so lange her. Für meinen Verein, dem Schachverein 1949 Herzogenrath, bestreite ich nach wie vor Mannschaftskämpfe, nehme – wenn auch nur noch selten – an Vereinsturnieren teil, und fahre gerne ab und zu einem offenen Turnier, was ich dann mit etwas Urlaub verbinde. Schach spiele ich seit über 40 Jahren. Nach wie vor fasziniert mich das Nachdenken vor einer Entscheidung, die Spannung während des Spiels und die unglaubliche Vielfalt an Stellungen, Möglichkeiten und Plänen. Ich kann kaum an einem Schachbrett vorbeigehen, ohne mich in die Stellung zu vertiefen. Auch als Funktionär hatte und habe ich nicht die Absicht, das aktive Spiel aufzugeben. Im Gegenteil, aktiv zu spielen, ist für mich eine wichtige Motivation, mich auch als Funktionär zu engagieren.

Quelle: www.dem-2011.de